Florian über sich und sein (bisheriges) Leben
Am 5.5.1980 (5 nach halb 5) hat man mich gebracht. Auf die Welt nämlich. Was dann kam, kann ich leider nur aus zweiter Hand berichten, weil ich mir damals noch nicht die Mühe machte, mir alles zu merken.
Nach anfänglichen Sprach- und Laufschwierigkeiten brachte man mich in einen Garten. Für Kinder. Meine große Schwester war auch schon dort, die ich ab der Zeit nie mehr aus den Augen ließ. Man könnte auch sagen, ich wollte nie ohne sie turnen.
Die Grundschule verlief im Großen und Ganzen reibungslos. Zitat: „Florian kommt um 8 Uhr und geht um 13 Uhr. Das ist immer eine große Freude. Besonders ab 13 Uhr.“ Mehrere Sportarten wurden angetestet und für nur mäßig brauchbar befunden (Judo, Ballett – aus Versehen!).
Die erste Gelegenheit, eine Klasse wiederholen zu dürfen, nahm ich dann in der 7. Klasse dankbar an. Ich blieb auch nachmittags oft sitzen, und zwar im Klavierunterricht. Der hat mich sowieso meine ganze Jugend verfolgt. Ich lernte das Klavier aber erst später richtig schätzen. Doch da war es schon fast zu spät, weil meine Finger irgendwann so breit wurden, dass sie kaum mehr zwischen die schwarzen Tasten passten. Dieses Schicksal verfolgt mich bis heute. Das ist auch der Grund, warum ich gerne Jazz-Stücke spiele, weil da ein Haufen gleichzeitig angeschlagener Tasten schon ein schönes Solo bedeuten kann. Die Musik ist seitdem mein Begleiter. Klarinetten- und Trompetenausflüge waren sehr aufregend, für mich aber nicht prägend.
Dann entdeckte ich das Theater. Das heißt, erst mal war das die Schulaula. Ich wollte es eigentlich nur ausprobieren, doch mit der Zeit fand ich immer mehr Gefallen daran, klassischen Reclam-Text so zu rezitieren, dass es klingt, als würde ich ihn verstehen. Dieses Geheimnis bewahrte ich die ganze Zeit über. In diversen Deutsch-Referaten konnte ich diesen Kniff leider nicht anwenden, was mich in der Oberstufe fast noch mal aus der Kurve warf.
Nach einem Berufspraktikum beim Eisenwarenhandel in meiner Heimatstadt (ich hatte irgendwie gehört, dass man auch mal in Berufe reinschnuppern soll, die für einen völlig ungeeignet sind) wusste ich, dass das Handwerkliche meine Sache nicht ist. Also konzentrierte ich mich weiter auf die Musik und die Bühne.
Mir wurde beigebracht, dass Musik auch ganz ohne Instrumente funktioniert, nämlich in einer a-capella-Gesangsgruppe. Wir nannten uns „Die Männer“, weil alles andere gelogen wäre. Die CDs von damals sind übrigens noch erhältlich! Das war eine schöne Zeit, diverse Geburtstage und Familienfeiern haben wir mit unseren Auftritten beendet. Das war schon nach dem Abi, und für meinen Geschmack hätte es ruhig so weiter gehen können.
Meinen ersten Solo-Auftritt hatte ich in einer Studentenkneipe in Bochum, bei dem ich Klavier spielen und Theater (lustiges) verbinden konnte. Dort wurde mir auch der erste Preis, der Lisbeth-Elsbeth-Preis, verliehen. Wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, war ich der einzige Teilnehmer.
Aber natürlich musste ich vernünftigerweise erst mal was Richtiges lernen. Ich war kurz davor, Musikwissenschaften zu studieren. Dann fiel mir die Theater-AG wieder ein. Dort hatte ich von der großen weiten Welt der Schauspielschulen munkeln hören. Ich schnappte mir meinen Franz-Moor-Monolog (von Schiller, wie ich später erfuhr), und schleuderte ihn mit weit aufgerissenen Augen und Mund den entsetzten Leitern diverser Schauspielschulen entgegen. Hier einige Kommentare: „Hui, der schreit aber.“ Oder: „Warum machen Sie nicht Musical?“ Oder: „Ööhm... Nein.“
Die Otto-Falckenberg-Schule in München schließlich hatte Erbarmen und ich durfte dort Schauspiel studieren. Das waren sehr prägende vier Jahre. Mein Ruhrpott-Dialekt wurde eingeebnet, mein Buckel verschwand. Ich lernte, verschiedene Gegenstände zu sein und Reclam-Texte zu verstehen. Das ist natürlich nur ein winzig kleiner Teil dessen, was man dort alles lernt und erfährt. Kann ich jedem nur empfehlen.
Durch eine glückliche Fügung machte ich kurze Zeit später meine ersten Filmerfahrungen. Und Erfahrung damit, wie kalt ein See wirklich sein kann, wenn man bei 4 Grad... Ach, was sag ich. Die Antwort findet man in „Das wahre Leben“.
Anschließend wurde mir die Entscheidung abgenommen, ob ich jetzt „richtig“ Theater machen sollte. Ich sollte nämlich. Und zwar am Theater Freiburg, wo ich für zwei Jahre als Schauspieler und manchmal als Musiker tätig war.
...und es geht weiter!
Vielen Dank fürs Interesse.